Dienstag, 23. Mai 2017

Perry Schmidt-Leukel: Grundlegendes zum Buddhismus und zu religiöser Pluralität (aktualisiert)

Buddhist-Christian Relations in Asia

Der interkulturelle Theologe und Religionswissenschaftler Perry Schmidt-Leukel (Universität Münster) hat sich als Vertreter der religionspluralistischen Theologie international einen Namen gemacht. Das folgende Buch steht dafür als herausragendes Beispiel:
Gott ohne Grenzen. Eine christliche und pluralistische Theologie der Religionen. Gütersloher Verlagshaus 2005
(Rezension von Gerd Neuhaus in "Stimmen der Zeit, Nr. 05/2006)

Schmidt-Leukel ist jedoch auch ein bekannter Buddhismusforscher. Das Ergebnis seiner intensiven, jahrelangen Arbeit zusammen mit weltweit renommierten Forscherinnen und Forschern hat er jetzt als vierbändiges Werk herausgegeben.
 

Perry Schmidt-Leukel (ed.): Buddhism and Religious Diversity
Reihe: Critical Concepts in Religious Studies.

London: Routledge 2012, insgesamt 5112 S.!

Der Verlag stellt ausführlich vor, wie die Autoren die "Buddhismen" im Kontext ihrer Geschichte, Gegenwart, geografischen Ausbreitung und gesellschaftlicher Stellung untersucht haben und dabei konsequent die religiöse Vielfalt Asiens berücksichtigten (in englischer Sprache): 

Hier ist ein neues internationales Standardwerk zum Buddhismus im (inter)religiösen Kontext (Asiens) entstanden. 

Weitere Titel
zur Buddhismus-Thematik
 
 


Die umfassende Forschungsarbeit von Perry Schmidt-Leukel
zeigt sich nicht nur in seiner großen Publikationsliste, sondern auch in der ehrenhaften Einladung zu den Gifford Lectures im Jahre 2015.


Montag, 22. Mai 2017

Biblische und koranische Texte in Gegenüberstellungen

Für die praktische Dialogarbeit von Christen und Muslimen hilft besonders, Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten von Bibel und Koran herauszustellen. Diese Gegenüberstellungen gewinnen durchaus auch Vergleichscharakter. Allerdings bedarf es zum genaueren Verständnis kompetenter Hinführungen und sorgfältiger Bearbeitung. Besonders gut gelungen ist dies bei 

Stefan Jakob WIMMER und Stephan LEIMGRUBER:
Von Adam bis Muhammad. Bibel und Koran im Vergleich 
(Katholisches Bibelwerk 2005)
Ausführliche Rezension: hier


 





ZITATE aus Bibel und Koran im Vergleich: hier

Viele Anregungen bietet auch das Buch von: 
Marlies ter Borg (compiled and introduced):
Sharing Mary. Bible and Qur'an Side by Side 
2010, 359 S.

Dies ist eine wichtige, sorgfältig kommentierte Zusammenstellung von biblischen und koranischen Texten, unterstützt von kompetenten islamischen und christlichen Islamwissenschaftler/innen. Dadurch lässt sich in den Geschichten bei all ihrer Unterschiedlichkeit doch eine spirituelle Gemeinsamkeit entdecken. Zugleich bietet sich die Möglichkeit, durch den Vergleich ungewohnte Aspekte der eigenen Tradition zu entdecken.
Dieses Buch ist ein wichtiger Beitrag zum "Trialog"
von Juden, Christen und Muslimen.


David Meyer  (dir.)/ Yves Simoens, Soheib Bencheikh:
Les Versets douloureux.
Bible, Évanglie et Coran entre conflit et dialogue.

Bruxelles: Lessius (Diffusion Cerf) 2008, 207 pp.
 

--- Rezension in Persée:  

  Année 2010  Volume 41  Numéro 4  pp. 603-604



Nacherzählend einen Gang durch wichtige Geschichten aus Bibel und Koran zu unternehmen, liegt mit dem dreisprachig erschienenen Buch der Stichting Trialoog in Amersfoort (NL) vor: 

Francien van Overbeeke-Rippen: 
Abraham and Ibrahim. 
Bible und the Qur'an Told to Children.

Study Guide by Kenneth
and Margaret Thomas.
Louisville, Kentucky (USA):
Bridges Resources 2006, 250 pp., Glossary 


Francien van Overbeeke-Rippen: 
Abraham und Ibrahim. 

Nacherzählungen aus der Bibel und dem Koran (nicht nur) für Kinder

Übersetzung: Francien van Overbeeke-Rippen. Amersfoort, NL 2017, 55 S.
Übersetzung aus: Francien van Overbeeke-Rippen:
Ibrahiem en Abraham, Koran en Bijbel 
verteld voor kinderen. 
Stichting Trialoog. Amersfoort, Niederlande 2014. 4. Auflage



 Tora, Evangelium und Koran.
 3 Bücher, 2 Städte, 1 Erzählung - 

  Anton WESSELS: Thora, Evangelie en Koran.
  3 Boeken,
  2 Steden, 1 Verhaal. 
   Kampen (NL): Kok 2010

  Englische Übersetzung:
  The Thora, The Gospel, the Qur'an. Three Books, Two Cities.
  Grand Rapids, MI (USA): Eerdmans 2014, 334 pp.

  Verlagshinweis: hier
  Mehr Informationen: hier

 
Es ist eine besondere Monografie 
zu den drei monotheistischen Traditionen,  in der auch die heiligen Städte
(nicht nur Jerusalem und Mekka) 
 besonders gewürdigt werden. 

So liest man die eine Geschichte ganz neu - durch ihre teilweise verblüffenden Varianten in den drei Religionen. 






Buddhistisch-christlicher Dialog - Erfahrungen aus Asien - ein Kompendium

Buddhist-Christian Relations in Asia

Perry Schmidt-Leukel (Hg.):
Buddhist-Christian Relations in Asia.
Sankt Ottilien: EOS Editions 2017, 460 S.
ISBN 978-3-8306-7851-9, 29,95 Euro.

Die Beziehungen zwischen Buddhisten und Christen in buddhistisch geprägten Ländern Asiens stehen im Mittelpunkt einer neuen Publikation des Religionswissenschaftlers und anglikanischen Theologen Prof. Dr. Perry Schmidt-Leukel vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“. Der Band ist unter dem Titel „Buddhist-Christian Relations in Asia“ (Buddhistisch-Christliche Beziehungen in Asien) im Verlag EOS Editions erschienen. Er enthält die Beiträge der gleichnamigen Konferenz des „European Network of Buddhist-Christian Studies“ im Juni 2015, die Schmidt-Leukel maßgeblich mit konzipiert hat. 

„Die Beziehungen zwischen Buddhismus und Christentum in Asien unterscheiden sich deutlich von der Situation im Westen, weil hier Christen meist eine religiöse Minderheit sind, die unter einer buddhistischen Mehrheit lebt“, erläutert der Wissenschaftler.
Das Zusammenleben von Christen und Buddhisten in Asien sind dem Religionswissenschaftler zufolge keineswegs unproblematisch. 

In einer Reihe von asiatischen Ländern wirken die negativen Erfahrungen aus der christlichen Kolonialzeit immer noch nach und belasten das Verhältnis. Anders allerdings in Süd-Korea: Hier war das buddhistische Japan Kolonialmacht und die koreanischen Christen konnten sich als Verteidiger nationaler Souveränität präsentieren. „Das ist wahrscheinlich mit ein Grund dafür, dass das Christentum nur in Korea zahlenmäßig vergleichsweise erfolgreich war“, so Schmidt-Leukel. In vielen Ländern Asiens bilden nationale und religiöse Identität eine enge Symbiose. „Wenn Thailänder-sein oder Burmese-sein gleichbedeutend ist mit Buddhist-sein, dann haben Christen in diesen Ländern einen schweren Stand. Die Probleme der Integration des religiös Fremden begegnen uns hier in umgekehrter Relation.“

 

Ein breit angelegter Vergleich

Erstmals stellt dieses Kompendium christlich-buddhistische Beziehungen in sechs unterschiedlichen Ländern Asiens vor. Dabei handelt es um die drei von Theravāda-Buddhismus geprägten Länder Sri Lanka, Thailand und Myanmar, sowie um die drei mahāyana-buddhistischen Länder Japan, Korea und China
Jedes Land wird in drei Kapiteln behandelt: 
Ein einführendes Kapitel gibt jeweils einen Überblick über die Geschichte und den Stand der Beziehungen zwischen beiden Religionsgemeinschaften in dem betreffenden Land. Daran schließen sich zwei stärker subjektiv geprägte Darstellungen der Beziehungen an und zwar aus der Sicht eines Christen und eines Buddhisten, die sich in dem entsprechenden Land im Dialog beider Religionen engagieren.
„Diese analoge Struktur in der Behandlung der einzelnen Länder ermöglicht eine vergleichende Betrachtung“, erläutert der Wissenschaftler. 
Eine zusammenfassende Einordnung geben Prof. Schmidt-Leukel in seiner Einleitung
sowie der 1975 in Münster promovierte Religionswissenschaftler und
Theologe Prof. Dr. John D’Arcy May vom Trinity College in Dublin in einem Schlusskapitel.


Die Beiträge des Buchs zeigen einerseits, dass es zwar in allen sechs Ländern immer wieder ähnliche Fragen sind, die auf der Ebene der Glaubenslehren beider Religionen auftreten, wie der Herausgeber erläutert. Doch die Bereitschaft, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen, und der Einfluss, den die konkreten Beziehungen beider Religionen zueinander auf diese Fragen haben, variierten stark. Nicht selten zeige sich der Buddhismus in Asien weit weniger offen für das religiös Fremde als man im Westen gemeinhin annehme. Aber auch Christen in Asien tun sich keineswegs immer leicht damit, eine feindselige Haltung gegenüber anderen Religionen aufzugeben. „Das Buch thematisiert beides, die Hindernisse, aber auch die positiven Chancen für einen offenen und konstruktiven Dialog.“

Zum Autor:
Prof. Dr. Perry Schmidt-Leukel leitet am Exzellenzcluster das Projekt C2-16 „Interreligiöse Theologie“. Er gehört der Arbeitsplattform „Transkulturelle Verflechtungen“ und der Koordinierten Projektgruppe „Transfer zwischen Weltreligionen“ an. (exc/ill)
Mehr zur Arbeit des Autors: hier

Übernommen aus der Information "Religion und Politik", Exzellenzcluster der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster


Zur Wirkungsgeschichte des Zisterzienser-Ordens (aktualisiert)



Klosterkirche Marienrode (Hildesheim)
Immo Eberl: Die Zisterzienser.
Geschichte eines europäischen Ordens
.

Stuttgart: Thorbecke 2002, 616 S.
Details zur Neuauflage 2007: hier
In der europäischen Kulturentwicklung ist der Zisterzienser-Orden ein Phänomen. Er breitete sich als klösterliche Reformbewegung im 12. Jahrhundert geradezu rasant in ganz Europa aus. Sein entscheidender Promotor ist Bernhard von Clairvaux (ca. 1090 - 1153). Ein Blick in die deutschen Landschaften - besonders östlich der Weser - markiert eindrucksvoll, wie sich aus einer oft menschenfeindlichen Natur durch  Landkultivierung und Architektur Zivilisation entwickelte und gleichzeitig prägend wirkte. Dazu trug auch in erheblichem Maß der weibliche Zweig des Ordens bei.
Vor uns liegt nun eine Gesamtdarstellung der Ordensgeschichte; die nicht bei der Frühzeit stehen bleibt, sondern die Wirkungsgeschichte bis in die Gegenwart auszieht. Es ist eine ausgesprochen sorgfältig recherchierte und umfassend aufgebaute Arbeit, der man allerdings noch ein ausführliches Register gewünscht hätte, um die verschiedenen Aspekte der Ordensgeschichte und Klöster auch über "Quereinstiege" leichter zu finden als in dem nur grobe Überblicke gewährenden Inhaltsverzeichnis. Dies schiene mir umso wichtiger, als die Geschichte des Zisterzienserordens auch über Europa hinaus bedacht wird. Ich hätte mir auch gewünscht, dass die Ordensgeschichte im nord- und ostdeutschen Raum sowie in Osteuropa und Skandinavien noch mehr zur Sprache gekommen wäre. Vielleicht geschieht das jedoch durch die weitere Arbeit des Autors.
Der Rezensent war übrigens mehrere Jahre Pfarrer in Hildesheim, zu dessen Gemeinde das von  Morimond (http://www.cistercium.info/kloster-m/morimond.html) gegründete, später der Hannoverschen Klosterkammer unterstellte Zisterzienserkloster Marienrode http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Marienrode gehörte. Inzwischen hat sich dort ein Benediktinerinnen-Konvent http://www.kloster-marienrode.de/kloster/index.html angesiedelt, der die alte klösterliche Tradition wieder aufgenommen hat.
Das Gesamtkonzept des Autors Immo Eberl (Leiter des Stadtarchivs Ellwangen/Jagst und apl. Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Tübingen, kein Ordensmitglied!) geht von den Anfängen in Frankreich und der Schlüsselrolle des Bernhard von Clairvaux hin zu der langsam sich aufbauenden Favoritenrolle, die der Orden bei Fürsten, Grafen und Wirtschaftsleuten bis hin zum Vatikan spielte. Dabei kommen jedoch die Beschreibungen von Spiritualität, Architektur, Kunst, Wissenschaft und Liturgie im Orden keineswegs zu kurz, ja nehmen das Hauptgewicht im vorliegenden Buch ein.
Spannend ist, wie die ersten Entwicklungsphasen bis zum Ende des 13. Jahrhunderts durch andere Tendenzen bereits im Spätmittelalter und in der Reformationszeit abgelöst werden, wie aber auch innere Streitigkeiten der verschiedenen Observanzen und das sich ändernde Weltbild durch Barock, Aufklärung und Säkularisation schließlich den Orden in den Niedergang und teilweise Auslöschung drücken. Dem folgt erst am Ende des 19. Jahrhunderts ein langsamer Wiederaufstieg, in der die strenge Observanz (vgl. S. 499ff) letztlich die höhere Attraktivität hat, unabhängig davon, dass der Orden zu allen Zeiten gut mit den jeweils modernen Kommunikationsmitteln umzugehen wusste und weiß (Manuskriptverbreitung, Buchdruck, Internet). – Dieses Buch macht es deutlich: Der Zisterzienserorden wird auch in Zukunft zu den gesellschaftlichen Reformkräften gehören, wenn auch nicht so plakativ wie im Mittelalter.

Vgl.
Die Bedeutung der 850-Jahr-Feier des Klosters Marienrode
für eine evangelisch-lutherische Kirchengemeinde (1975)
 


Die Rezension des Buches von Immo Eberl erschien zuerst in: Reinhard Kirste / Paul Schwarzenau / Udo Tworuschka (Hg.): Wegmarken zur Transzendenz. Religionen im Gespräch, Bd. 8 (RIG 8). Balve: Zimmermann 2004, S. 458-459 

Reinhard Kirste --- Rz-RIG8-Eberl-Cist, bearbeitet 06.10.2015
 Mehr zum Zisterzienerorden: hier 

Attraktiver Bildband:
Franz-Karl Freiherr von Linden: Die Zisterzienser in Europa. Reise zu den schönsten Stätten mittelalterlicher Klosterkultur.
Stuttgart/Zürich: Belser 1997, 192 S., Abb
. --- Rezension: hier
Zisterzienserklöster in Deutschland:
http://www.carstengier.de/Zisterzienser/index-de.htm

 Frankreich:
 Liste der Zisterzienserklsöster in Frankreich (wikipedia.fr)

Pauline de PrévalUne saison au Thoronet. Carnets spirituels.
Paris: Seuil 2015, 208 S.---
«Il est des lieux qui vous habitent à peine y avez-vous pénétré et ne vous quittent plus qu’ils ne vous aient transfiguré. » Ainsi, pour Pauline de Préval, de l’abbaye cistercienne du Thoronet. À l’écoute du cantique de pierre et de lumière qui continue de s’y élever, la jeune femme médite tout ce que ce lieu et les mystiques qui l’ont inspiré peuvent encore insuffler à notre temps, à quelles interrogations, angoisses ou espérances ils continuent de répondre ... 
«


Julie Roux (réd.): Les Cisterciens.
Vic-en-Bigorre:MSM 1998, 2005, 225 S., Abb.
L'aventure cistercienne débute en 1098, lorsque Robert de Molesme, Albéric et Etienne Harding, animés par la volonté d'un retour à la Règle de saint Benoît, fondent, en un lieu appelé Cistels, leur Novum Monasterium. Avec Bernard de Clairvaux, l'Ordre de Cîteaux multiplie ses fondations. Appréciés des pouvoirs religieux et politiques, grands organisateurs, ceux que l'on a appelés les moines blancs façonnent une théologie mystique originale, tout en ouvrant de nouvelles voies à l'art et à l'architecture. Aujourd'hui encore, les fils spirituels des fondateurs de l'Ordre, membres de la grande famille cistercienne, continuent à en écrire l'histoire.


Paris: Collège de Bernardins

 Le Collège des Bernardins  
 - ehemalige Universität
   der Zisterzienser in Paris

Le Collège des Bernardins


 

 

 

Le Collège des Bernardins, Responsable(s):
Préface André Vingt-Trois.
Connaissance des arts.
Paris.
Collection Connaissance des arts,
hors série , numéro 370
  (septembre 2008)

L'avis de La Procure (Mediengruppe für religiöse Bücher):

Benoît XVI a honoré de sa présence le collège des Bernardins soulignant ainsi l'importance et le prestige de cet édifice magnifiquement restauré et qui retrouve son rôle de foyer culturel de premier plan. Deux ouvrages pour découvrir ce haut lieu d'art et de spiritualité, le numéro spécial de connaissance des arts et un album plus détaillé et illustré. Un endroit à découvrir et à visiter impérativemen
t.




Donnerstag, 18. Mai 2017

Die Göttin - göttliche Weiblichkeit und weibliche Göttlichkeit

Shahrukh Husain: Die Göttin. Das Matriarchat, Mythen und Archetypen, Schöpfung, Fruchtbarkeit und Überfluss.
Köln: Taschen 2002, 184 S., Abb., Index

--- ISBN 978-382282 347 8 ---

Englische Originalausgabe:
The Goddess.
An Illustrated Guide to the Divine Feminine.

London: Duncan  Baird 1997, 184 pp., íllustr., index
--- ISBN 1 900131 56 0 --- 



Die Autorin (geb. 1950) ist pakistanischer Herkunft und lebt in London. Sie ist Erzählerin und Psychotherepeutin.
Ihre Bücher und TV-Dokumentationen nehmen auch Narrative und Folkore der Völker auf.

Weitere Bücher von Shahrukh Husain: hier
   
Im Rahmen des Seminars "Frauenbilder in den Religionen" (TU Dortmund, SoSe 2017)
wurde anhand dieses Buches ein Überblick in die die Vielfalt und Bedeutsamkeit von weiblichen Gottesverständnissen von den Anfängen der Geschichte bis in die Gegenwart deutlich.

Dazu diente eine orientierende Powerpoint-Präsentation: hier

Die Autorinnen Kathrin Krieger und Silke Krestel merkten dazu an:
"Das Buch >Die Göttin< von der Autorin Shahrukh Husain ist sehr gut leserlich geschrieben. Viele Bilder und Erzählungen der Mythen aus vergangenen Tagen sind interessant und detailliert geschildert und regt die Neugier des Lesers an. Es werden viele Informationen über die verschiedenen Göttinnen der einzelnen Kontinente gegeben. Dadurch zeigt sich, welche wichtige Rolle die Frau im Horizont der Göttin für die unterschiedlichen Kulturen spielt. Eine Schwierigkeit ist, dass man das Buch durch die geballte Darbietung der Fakten nicht in einem Durchgang lesen kann, sondern man Verarbeitungszeit einplanen sollte.
Dennoch eine klare Empfehlung."

Inhaltsverzeichnis / Contents


 




Dienstag, 16. Mai 2017

Den Koran in seiner Vielfalt verstehen lernen

Willi Steul (Hg.): Koran erklärt. Ein Beitrag zur Aufklärung.
st 4802. Berlin: Suhrkamp 2017, 298 S.
--- ISBN 978-3-518-46802 ---

Seit März 2015 hat der Deutschlandfunk in seinem Programm die kontinuierlich laufende Sendereihe „Koran erklärt“. Das vorliegende Buch ist ein gedrucktes Zwischenergebnis. Die Kommentare werden jedoch nicht im Rahmen einer Verkündigungssendung ausgestrahlt (wie z.B. beim kirchlichen „Wort zum Sonntag“ oder dem „Wort zum Freitag“ im SWR). Vielmehr versuchen die Autoren eine angemessene Verstehensgrundlage für muslimisches Handeln durch eine gewissenhafte Koran-Interpretation zu ermöglichen. Um Vorurteilen vorzubeugen, geschieht diese Auslegung einzelner Koransuren durch anerkannte Islamwissenschaftler, bewusst auch von islamischer Seite.
Ömer Özsoy (Universität Frankfurt/M.), Milad Karimi (Universität Münster), Tuba Isik (Universität Paderborn), Bülent Uçar (Universität Osnabrück), Mohammed Ali Amir-Moezzi (Sorbonne, Paris) und Seyyed Hossein Nasr (George Washington Universität, Washington, DC)
seien darum unter den muslimischen Koranexegeten
beispielhaft hervorgehoben.


Die bis Dezember 2016 interpretierten Koransuren, verbunden mit generellen Erläuterungen, liegen nun gedruckt vor. Das Buch enthält dazu noch drei Essays. Hier geht es um die Geschichte der Koranauslegung im Überblick (Thorsten Gerald Schneiders, Islamwissenschaftler und Journalist), um die keineswegs spannungsfreie Koranexegese zwischen Theologie und Orientalistik (Angelika Neuwirth, Arabistin, Freie Universität Berlin) und schließlich um die mediale Problematik, konkret um die islamische Beteiligung am Rundfunk in Deutschland.

Die Auswahl der Koransuren hat der Deutschlandfunk ganz offensichtlich auch an aktuellen Gegebenheiten orientiert. Insgesamt gelingt so ein versachlichender Beitrag, wenn man sich bewusst auf die Exegese der Korantexte konzentriert. Zugleich lässt sich dadurch auch die Variationsbreite der Interpretation erkennen.                                                                                
Die im Inhaltsverzeichnis benannten Themen,
werden an einzelnen Koranversen erläutert.                                      
 Inhaltsverzeichnis          
Bisher sind diese Suren zur Sprache gekommen: 
1-6, 9,12,13,15-19, 
21-24, 26,29,
30,31,33,
41-44,49,
54,57,
80,82,83,85,
91,93,96,100,112.

Einstiegshilfe zum Verstehen bildet bereits der erste Beitrag –(zugleich auch die damalige erste Sendung. Es ist eine Auslegung von Sure 4,163 (Offenbarungen Gottes, die von Noah bis Jesus erfolgten).
Ömer Özsoy betont: „Die Offenbarung ist eine Vergegenwärtigung, durch die das Göttliche, das heißt das Kontextlose, ins Menschliche, also in bestimmte Kontexte, übertragen wird“ (S. 15). 
Bereits hier, aber noch deutlicher in dem Abschnitt über Auslegungsfragen (S. 25–49), kommt eine intensive hermeneutische Debatte ins Blickfeld, die die unterschiedlichen historischen, sprachlichen, geografischen und gesellschaftlichen Bedingtheiten bei der Auslegung heiliger Texte nicht ausklammern darf. Da wird selbst das Privileg der arabischen Sprache für die Gottesoffenbarung deshalb hinterfragt, weil schließlich alle Völker vor Gott gleich sind (S. 28). So gibt es auch in der islamischen Theologie von Anfang an unterschiedliche Deutungen schwierig zu verstehender Koranverse. Georges Tamer (Universität Erlangen-Nürnberg) bringt dies am Beispiel von Sure 3,7 so auf den Punkt: „Laut Averroes müssen jedoch Menschen, die nicht über notwendiges Wissen verfügen … von der Auslegung mehrdeutiger Verse ferngehalten werden – eine Vorstellung, die im Islam in den vergangenen Jahrhunderten weite Verbreitung fand“ (S. 31).
Bilanz
Die göttliche Offenbarung hat konkrete Menschen zum Ziel. Was Gott den Menschen zu sagen hat, hat seine Basis im Koran. Das vereint konservative und reformorientierte Interpreten. Aber die göttliche Botschaft wird nicht dadurch ernst genommen, dass man sie wortwörtlich auf eine veränderte geografische, klimatische, gesellschaftliche und kulturelle Situation drückt. Das Wort Gottes will unter menschlichen Bedingungen neu gehört werden. Schließlich hat der Koran selbst unterschiedliche Entstehungszeiten und unterschiedliche Adressaten (Angelika Neuwirth, S. 231). Das muss sicher im Respekt vor dem heiligen Text, unter Berücksichtigung der Auslegungstraditionen, aber ebenso im Horizont der jeweiligen Zeit adäquat und redlich versucht werden. Darum wird die Koranauslegung nie abgeschlossen sein. Diese wichtige Erkenntnis macht absolute Deutungsansprüche unmöglich. Insofern ist dieses Buch zugleich eine Absage an jegliche Fundamentalismen. Angesichts solcher hermeneutischer Herausforderungen darf man auf die weiteren Suren-Interpretationen gespannt sein.
Reinhard Kirste


Rz-Koran-Keul, 16.05.17

Der Koran - Vielfalt der Übersetzungen und Kommentare (aktualisiert)

Im deutschsprachigen Raum gibt es inzwischen eine Vielzahl von Koranübersetzungen.
Recht praktikabel ist das Angebot, einzelne Suren aus deutschen Koranübersetzungen für das Lesen und den Download auszuwählen. 


 Kleiner Textvergleich: Koran und Bibel

Koranausgaben und Übersetzungen
Man sollte übrigens Koranübersetzungen im islamischen Sinne eher als Annäherungen an das arabische Original bezeichnen. 


Das Vorbild
Die Sprachqualität hat sich inzwischen bei den neueren Ausgaben gesteigert, dennoch dürfte eine alte Auswahlübersetzung, diejenige von Friedrich RÜCKERT einzigartig geblieben sein.

--- Der KORAN in der
Übersetzung von Friedrich Rückert (BOBZIN, Hartmut, Hg.): Der Koran. Erklärende Anmerkungen von Wolfdietrich Fischer. Würzburg: Ergon 1995
--- Rezension: hier



Es gibt inzwischen eine beachtliche Zahl von deutschen
Koran-"Übersetzungen":
--- Michael Fisch: umma-al-kitâb. Ein kommentiertes Verzeichnis deutschsprachiger Koran-Ausgaben von 1543 bis 2013. 470 Jahre europäisch-abendländische Koran-Rezeption.
Berlin: Schiler 2013
                                                    

Hier eine z.T. kommentierte Auswahl:
Mit muslimischen Autoren:
--- Muhammad ASAD (Leopold WEISS):
Die Botschaft des Koran. Übersetzung und Kommentar. Aus dem Englischen von Ahmad von Denffer und Yusuf Kuhn. Düsseldorf: Patmos 2009 - vgl. Verlagshinweise

Rezension: hier

--- Der Koran. Vollständig und neu übersetzt von Ahmad Milad KARIMI. Mit einer Einführung herausgegeben von Berhard UHDE. Freiburg u.a.: Herder 2009 - vgl. Rezension

--- Übersetzung mit arabisch-deutschem Text und inhaltlichen Beiträgen zum Verstehen des Koran von Ali Ünal: Der Koran und seine Übersetzung mit Kommentar und Anmerkungen. Offenbach: Fontäne 2009, 1606 S.  

- Erläuterungen zur Bedeutung des Korans durch den Übersetzer 
- vgl. Rezension
 
Übersetzung von christlichen Islamwissenschaftlern (Nr. 1-4)
Von einem evangelischen Religionswissenschaftler
1. --- Der Koran. Aus dem Arabischen neu übertragen von Hartmut BOBZIN. München: C.H.Beck Februar 2010 (Veröffentlichungshinweis aus den Nürnberger Nachrichten)
Rezension von Christoph Auffarth, Bremen
- Rezension von Reinhard Kirste (INTR°A)

Eine umfassende wissenschaftliche Übersetzung und Kommentierung von einem
katholischen Islamwissenschaftler:

2.  Der Koran. Übersetzt und kommentiert von Adel Theodor KHOURY.
Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2007, 12 Bände
3.  Als Zusammenfassung in 1 Band: Der Koran.
Übersetzt und kommentiert von Adel Theodor Khoury.
Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2007

3a.  Als orientierende ausführliche Lektüre mit Textbeispielen und Bildern:
Der Koran, erschlossen und kommentiert von Adel Theodor Khoury.
Düsseldorf: Patmos 2005, 353 S., Abb., Register


Von einem katholischen Theologen und Islamwissenschaftler, philologisch recht genau
und bezogen auf die literarischen Formen

4.  Der Koran. Übersetzt und eingeleitet von Hans ZIRKER. Darmstadt: WBG 2003

Auswahl von Korantexten mit thematischer Zusammenstellung im Sinne einer gut verständlichen Hinführung zum heiligen Buch der Muslime

  • Der Koran für Kinder und Erwachsene. Übersetzt und erläutert von Lamya KADDOR
    und Rabeya MÜLLER. München: C.H. Beck 2008.
    Rezension hier
  • Hamideh MOHAGHEGHI und Dietrich STEINWEDE: Was der Koran uns sagt.
    Für Kinder in einfacher Sprache.
    München: Bayerischer Schulbuchverlag (Patmos / Oldenbourg 2010)

    Rezension: hier
 
Schon länger auf dem Markt: Von islamischer Seite als vollständige Übertragung

--- Übersetzung der Ahmadiyya-Muslim Jamaat Deutschland und Schweiz: Der Heilige Qur-ân: Arabisch und Deutsch. Hg. unter der Leitung von Hz. Mirza Tahier Ahmad. Aßlar-Werdorf 1989, 5. Aufl., Anmerkungen, Register -- Erläuterungen zur Übersetzung aus der Sicht der Ahmadiyyas

--- Al-Qur'an Al-Karim und seine ungefähre Bedeutung in deutscher Sprache von Muhammad Ahmad RASSOUL. Köln: Islamische Bibliothek 1988, 3. verbesserte Aufl. / 2013, 10. Aufl.
auch digital vollständig zum Download: hier

--- Die Bedeutung des Korans. 5 Bände (Hg.: Abdulhalim KHAFAGY).
München: SKD Bavaria 1998, 2. neu bearb. Aufl. 


Zwei "Klassiker"
1.  Wissenschaftlich sorgfältig und nicht immer leicht zu lesen:
Der Koran. Übersetzung von Rudi PARET. Stuttgart: Kohlhammer 2006, 10. Aufl. 

mit Kommentar und Konkordanz. Kohlhammer 2005, 7. Aufl.

2.  An Luthers Deutsch erinnernd und islamwissenschaftlich redigiert:
Der Koran. das heilige Buch des Islam. Aus dem Arabischen von Max HENNING (1901). 
Überarbeitet und herausgegeben von Murad Wilfried HOFMANN. München: Diederichs (Hugendubel) 1999 

Eine wichtige englische Koranausgabe mit Kommentar
The Holy Qur'an. Text, Translation and Commentary by Abdullah Yusuf ALI.
Leicester (GB): The Islamic Foundation 1975 u.ö.


Prophetenüberlieferung - HADITHE
Wichtig neben dem Koran sind die Prophetenüberlieferungen. Eine gute Auswahl bieten die beiden von Adel Theodor KHOURY herausgegebenen Bände: Der Hadith (Gütersloher Verlagshaus 2008),
Rezension: hier


VERGLEICHE VON BIBEL UND KORAN
Buchempfehlungen und Kommentierungen: hier